Mit dem Kirchbauförderverein in der St. Hedwigskathedrale und St. Canisius in Berlin

 

Am Samstag, den 29.9. lud der Kirchbauförderverein zu einer Exkursion nach Berlin ein. Zwei Bauvorhaben, ein realisiertes in Charlottenburg und ein begonnenes in der Mitte Berlins konnten besichtigt werden. Am Vormittag stand die St. Hedwigskathedrale im Fokus. Hier begrüßte uns Dompropst Tobias Przytarski, er führte uns durch den Innenraum der Hedwigskathedrale, der dem Kenner des Gotteshauses einen bemerkenswerten neuen Raumeindruck vermittelte. Die Bänke waren entfernt worden und die Öffnung in der Mitte hin zur Unterkirche abgedeckt, sodass die grundlegende Absicht der Erbauer deutlich wird, die gewünschte Parallele zum römischen Pantheon. Diese Raumerfahrung wird noch bis zum 11. November durch eine Installation der Künstlerin Rebekka Horn sehr schön erlebbar. Im Anschluss an diese Eindrücke lud uns Dompropst Przytarski in das benachbarte Lichtenberghaus ein, hier stand er unseren Fragen Rede und Antwort, hier entwickelte sich eine spannende Diskussion über die Geschichte, die Intentionen und auch das Pro und Contra des Bauvorhabens. Auslöser war die Tatsache, dass die Hedwigskathedrale 40 Jahre lang nicht saniert worden ist und nunmehr eine Grunderneuerung unabwendbar wurde, die eine Schließung des Gotteshauses von etwa zwei Jahren erfordert. In diesem Zusammenhang wurde der Gedanke geboren, dass eine Sanierung der Kirche mit einer Umgestaltung einhergehen sollte. Einer Umgestaltung, die die offenkundigen liturgische Defizite des alten Raumes beseitigt: das Gegenübersitzen zweier  Blöcke von Gläubigen, das schwierige Unterbringen und Platzieren von Chor und Musikern und die mittige Öffnung zur Unterkirche, in der der Priester mit dem Rücken zum Kirchenvolk agieren musste. Erste Pläne zu einer grundlegenden Umgestaltung wurden schon von Kardinal Sterzinsky gefasst, Kardinal Wölki trieb die Umgestaltung dann konkret voran, es erfolgte ein offener Wettbewerb, an dem sich 167 Architekturbüros beteiligt hatten. Als zentrale Maßnahme des Siegerentwurfs soll über der nunmehr abgedeckten Krypta der Altar in die Mitte der Kathedrale rücken. Die Gemeinde versammelt sich um den Tisch des Herrn. Hier folgt der Entwurf dem Gedanken des Zweiten Vatikanischen Konzils, dass die am Altar gefeierte Eucharistie Quelle allen kirchlichen Handelns ist. Hier gibt es offensichtliche Parallelen zur neuen Propsteikirche in Leipzig. Die neugestaltete Krypta der Hedwigskathedrale soll zur eucharistischen Gemeinschaft einladen und als Grablegungs- und Gedächtnisstätte an die Geschichte des Erzbistums erinnern. Im Gespräch mit Dompropst Tobias Przytarski kamen auch die zum Teil erbitterten Kontroversen um die Umgestaltung der Kathedrale zu Wort. Die Wortführer der Projektgegner argumentieren mit Trauer und Wut, dass mit dem Umbau gerade den Christen Ostberlins ein wichtiger Identifikationsort genommen werde, dem Denkmalschutz würde zuwidergehandelt und die Umbaukosten von 60 Millionen Euro seien unvertretbar hoch. Außer Acht wird dabei gelassen, dass hier auch die Sanierungskosten des benachbarten Lichtenberg-Hauses innbegriffen sind. Die Umbaukosten tragen zu jeweils einem Drittel das Erzbistum Berlin, die Deutschen Bistümer sowie Land Berlin und Bund. Kritik und Irritationen zur Neugestaltung von Kathedrale und Lichtenberghaus speisen sich auch maßgeblich aus der Genese des Projektes. Erst unter Bischof Koch wurde die Diözese Berlin, die Gemeinden, die Gremien des Erzbistums in die Diskussion einbezogen. Im Ergebnis will kein Gremium des Erzbistums den Erhalt des alten Zustands der Hedwigskathedrale, dreiviertel des Diözesanrates stimmten für den Umbau. Dieser ist nun eingeleitet, er beginnt mit der Sanierung der Kirchenkuppel und soll 2023 abgeschlossen sein, zum 250. Weihetag der St. Hedwigskathedrale. Im Gespräch mit Dompropst Przytarski schilderten wir unsere Erfahrungen der Bauphase der Neuen Propsteikirche, insbesondere unsere erfolgreiche Öffentlichkeitsarbeit mit Bau-Infocontainer, Baustellenführungen oder der Bauhütte auf den Leipziger Weihnachtsmarkt. Auch die Berliner Hedwigsgemeinde will den Prozess jetzt transparent gestalten und mit einer Infobox informieren und begeistern.

    

 

Nach dem gemeinsamen Mittagessen war unsere Exkursionsgruppe des Kirchbaufördervereins noch zu Gast in der Kirche St. Canisius in Berlin Charlottenburg, einer 2002 geweihten Kirche, die neben Miethäusern in einem freien zurückhaltend gestalteten Feld steht. Der Kirchenkubus erinnert zunächst kaum an eine Kirche. Diese offenbart sich erst von Innen, in einem Raum, der sofort zur Kontemplation einlädt und der verschiedene Formen der Liturgie zulässt. Wir haben den Kirchenraum als spannungsgeladen empfunden, als einen Ort, der viele Beziehungen evoziert, zwischen Innen und Außen, zwischen verschiedenen Orientierungsmöglichkeiten im Inneren, zwischen innerer und äußerer Welt. Im Gespräch mit Pater Manfred Hösl SJ wurden auch Erfahrungen mit der Neuen Propsteikirche in Leipzig diskutiert. St. Hedwig und St. Canisius in Berlin, zwei unterschiedliche Kirchen und Gemeindesituationen, viele bereichernde Eindrücke und Gespräche erfuhren wir bei der Exkursion des Kirchbaufördervereins nach Berlin. Wir möchten sie in der Propsteigemeinde in Leipzig gern weitergeben, sprechen Sie uns an, kommen wir darüber ins Gespräch. Lassen auch Sie sich vom Kirchbauförderverein der Propstei begeistern, machen Sie einfach mit!